Politische Spannungen: Türkisches Parlament beschließt Boykott von Nestlé und Coca-Cola

In den Kantinen des Parlaments wurden Produkte westlicher Marken entfernt, da diese Unternehmen Israel unterstützen.

Der Krieg im Nahen Osten hat nicht nur politische Folgen, sondern auch wirtschaftliche. Nun ist auch die Türkei betroffen: Das Parlament in Ankara hat beschlossen, Produkte der westlichen Marken Coca-Cola und Nestlé aus den Kantinen zu verbannen. Grund dafür ist angeblich die Unterstützung Israels durch diese Unternehmen während des Gaza-Konflikts.

Die Entscheidung wurde von der Volksvertretung in Ankara bestätigt, ohne jedoch explizit die Unternehmen zu nennen. Parlamentspräsident Numan Kurtulmuş erklärte, dass damit die öffentliche Sensibilität für den Boykott von Firmen, die Israel unterstützen, unterstützt werden solle. Es sei eine Reaktion auf die Unterstützung von Israels Kriegsverbrechen und die Tötung unschuldiger Menschen in Gaza.

Ein Insider des Parlaments nannte Coca-Cola-Getränke und Nestlé-Instantkaffee als bisher einzige betroffene Marken. Diese Entscheidung sei eine Reaktion auf den öffentlichen Aufschrei gegen diese Unternehmen aufgrund ihrer Unterstützung für Israel. Allerdings ist unklar, wie genau Coca-Cola und Nestlé Israels Vorgehen im Gazastreifen unterstützt haben sollen. Möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall: Nestlé gab bereits bekannt, dass eine seiner Produktionsstätten in Israel aus Vorsichtsmaßnahmen vorübergehend geschlossen wurde.

In der Türkei sind Boykottaufrufe gegenüber ausländischen Unternehmen aufgrund von außenpolitischen Konflikten keine Seltenheit. Zuvor gab es schon Boykottaktionen gegen US-amerikanische Smartphones und italienische Waren. Regierungsnahe Medien veröffentlichten zudem Listen mit Firmen und Produkten, die als proisraelisch eingestuft wurden. Dazu gehören auch der Textilhersteller Levi’s und der deutsche Sportartikelhersteller Adidas.

Auch in Westeuropa gibt es Widerstand gegen den Nahostkrieg. Hafenarbeiter in Barcelona weigerten sich, militärisches Material zu laden oder zu entladen. Belgische Transportgewerkschaften lehnten es ab, Flugzeuge mit militärischer Ausrüstung nach Israel zu befördern.

In den sozialen Medien riefen Aktivisten in der Türkei zu einem Boykott israelischer Waren und westlicher Unternehmen auf, die ihrer Ansicht nach Israel unterstützen. Die anhaltenden Proteste gegen Israels Operationen in Gaza haben bereits Hunderttausende Türken auf die Straße gebracht.

Der Beschluss des türkischen Parlaments ist einer der ersten offiziellen Schritte einer Regierung, die sich aufgrund des Krieges im Nahen Osten gegen große globale Marken richtet. Der Handel zwischen Israel und der Türkei ist seit dem Übergriff der Hamas auf Israel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent zurückgegangen, wie der türkische Handelsminister Omer Bolat bei einem Besuch in Kuwait bekannt gab.

(eulerpool-AFX)

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