NVIDIA behauptet sich in China: Vorstoß mit drei neuen Chips vor der Markteinführung

Exportbeschränkungen belasten NVIDIA in China, einem Schlüsselmarkt und zwingen NVIDIA zu strategischen Maßnahmen.

NVIDIA, eines der betroffenen US-Unternehmen, sieht sich der Herausforderung durch die US-Exportbeschränkungen für den chinesischen Markt gegenüber. Trotzdem ist China ein wichtiger Absatzmarkt für den Chiphersteller und somit veranlasst der US-Konzern eine rasche Reaktion.

Der erbitterte Kampf der beiden größten Volkswirtschaften, USA und China, um die globale Vorherrschaft im Bereich Halbleiter ist schon lange kein Geheimnis mehr. Besonders besorgt zeigen sich die Vereinigten Staaten darüber, dass sie die Führung im Halbleitermarkt in naher Zukunft möglicherweise an die Konkurrenz aus Fernost verlieren könnten. “Wenn wir unsere Exportkontrollen nicht verschärfen, wird China uns in der Zukunft als Weltmarktführer im Chipdesign überholen”, so warnte jüngst der republikanische Senator Marco Rubio im Gespräch mit Reuters.

Aus diesem Grund hat die Regierung unter Präsident Biden Exportbeschränkungen erlassen, mit dem Ziel, Chinas Zugang zu hochentwickelter US-Halbleitertechnologie zu verhindern. Insbesondere die Befürchtung eines möglichen militärischen Einsatzes der US-Technologie durch China war ausschlaggebend für ein umfassendes Sanktionspaket. Für US-Chipunternehmen bedeutete dies einen enormen Einbruch in ihrem Geschäft, da die Nachfrage nach Chipprodukten, insbesondere im Bereich künstliche Intelligenz (KI), in China äußerst hoch ist.

Ein Beispiel hierfür ist die Firma NVIDIA, die daraufhin mit der Entwicklung von neuen Chips reagierte, die speziell für den chinesischen Markt produziert wurden und somit nicht von den Exportbeschränkungen betroffen waren. Doch im Oktober 2023 hat die US-Regierung ihre Regeln weiter verschärft und somit den Verkauf der Chips, die NVIDIA speziell für den chinesischen Markt entwickelt hatte, eingeschränkt, um den bis dahin geltenden Exportbeschränkungen Rechnung zu tragen.

Konkret ging es um die modifizierten KI-Chips A800 und H800, die beide exklusiv für China hergestellt wurden und nun unter die neuen Verbote fielen. Diese sahen unter anderem auch eine Begrenzung der Rechenleistung vor. Trotzdem scheint NVIDIA nicht bereit zu sein, den wichtigen chinesischen Markt aufzugeben, schließlich erzielt das Unternehmen rund ein Viertel seiner Einnahmen im Segment Rechenzentrum in China.

Experten zufolge arbeitet der Chiphersteller daher an neuen Versionen, die speziell für den Fernostmarkt entwickelt werden. Laut einem Reuters-Bericht, der sich auf den Branchen-Newsletter SemiAnalysis stützt, will NVIDIA noch im November Halbleiter mit den Bezeichnungen HGX H20, L20 PCIe und L2 PCIe auf den Markt bringen. Diese Chips sollen die meisten neu entwickelten Funktionen für den Einsatz im Bereich KI besitzen, jedoch hat der US-Konzern die Rechenleistung bewusst reduziert, um den neuen US-Regulierungen zu entsprechen.

Laut einer Kundenmitteilung des Wells Fargo-Analysten Aaron Rakers, aus der Reuters zitiert, liegen alle drei von NVIDIA gemeldeten Chips offenbar unter den absoluten Höchstgrenzen der Rechenleistung, jedoch scheint einer davon in einer Grauzone zu liegen und möglicherweise eine Lizenz erforderlich zu machen. “Obwohl wir die Einführung dieser drei neuen GPUs als positiv erachten würden, erwarten wir, dass die Anleger sich fragen, ob (NVIDIA) in seinen Bemühungen, die US-Beschränkungen zu umgehen, zu aggressiv vorgeht, was letztendlich zu weiteren Maßnahmen der US-Regierung führen könnte”, so der Experte.

Im bisherigen Verlauf des Jahres hat die NVIDIA-Aktie an der NASDAQ bereits um 230 Prozent zugelegt (Stand: Schlusskurs vom 10.11.2023) und die starke Nachfrage nach Chips für Anwendungen im Bereich künstliche Intelligenz treibt diesen Kurs weiter an. Laut Reuters hat NVIDIA einen Marktanteil von über 90 Prozent am chinesischen KI-Chip-Markt im Wert von 7 Milliarden US-Dollar – eine Position, die der US-Konzern anscheinend mit allen Mitteln verteidigen will.

(eulerpool-AFX)

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