Factorial setzt auf Feststoffbatterien: Ein neuer Impuls für die Elektromobilitätsbranche

Feststoffbatterien, die in der Autoindustrie für kürzere Ladezeiten stehen, stellen eine zukunftsweisende Technologie dar.

Die Zukunft der Autobranche wird von vielen sehnlichst erwartet: kürzere Ladezyklen und eine höhere Reichweite dank der neuen Feststoffbatterien. Factorial Energy, ein Start-up aus Woburn bei Boston, hat bereits namhafte Hersteller von der Technologie überzeugt. Eine bemerkenswerte Leistung, insbesondere für die Gründerin Siyu Huang, die im stark männerdominierten Tech-Sektor als weibliche Start-up-Gründerin glänzt. Sie ist nicht nur aus China stammend, sondern hat auch an renommierten Universitäten in Schweden und den USA studiert.

Huang ist mittlerweile eine geschätzte Teilnehmerin bei Veranstaltungen der Autobranche, auch beim deutschen Mercedes-Benz Boss Ola Källenius in New York. Dort bringt sie sich mit ihrem innovativen Ansatz ein: die sogenannte Feststoffbatterie. Im Gegensatz zur herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterie enthält sie keine flüssigen Stoffe und verspricht dadurch nicht nur größere Reichweiten und mehr Ladezyklen, sondern auch ein geringeres Brandrisiko und schnellere Ladezeiten. Doch trotz vielversprechender Technologie befinden sich Feststoffbatterien noch nicht in der Massenproduktion, hauptsächlich aufgrund der hohen Kosten.

Huang ist jedoch zuversichtlich und strebt den Starttermin für ihre Batterien im Jahr 2026 oder 2027 an. Bereits Vorläufermodelle sollen früher zum Einsatz kommen, jedoch benötigt es Zeit für die Erprobung und den Aufbau der Fertigung. Huang gründete Factorial im Jahr 2013 und konnte durch eine Finanzierungsrunde im Jahr 2022 über 200 Mitarbeiter gewinnen, was dem Unternehmen den Status als Einhorn verleiht. Ihr Ziel ist es, Feststoffbatterien kostengünstiger herzustellen als die Konkurrenz.

Die Vorteile von Feststoffbatterien gegenüber flüssigkeitsbasierten Lithium-Ionen-Batterien liegen auf der Hand: eine höhere Energiedichte und somit größere Reichweiten für Fahrzeuge, ein geringeres Brandrisiko und schnellere Ladezeiten. In Fachportalen wie “Inside EVs” hat sich Factorial bereits als Innovationsführer etabliert. Höhepunkt bisher war die Entwicklung einer Batteriezelle mit über 100 Amperestunden Leistung, zuvor konnte das Start-up Zellen mit 40 Amperestunden vorweisen. Die nächste Generation soll sogar eine Energiedichte von 30 Prozent aufweisen.

Das Ziel von Factorial ist es, ihre Batteriezellen in existierenden Anlagen zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien zu integrieren, um die Kosten zu senken. Im Oktober wurde die erste Produktionsanlage in Boston eröffnet, mit der Anwesenheit der Gouverneurin von Massachusetts Maura Healy. Das 48 Millionen Dollar teure Werk enthält unter anderem Geräte zur Zellentests und zur Elektrodenherstellung. Die nächste Stufe ist die Massenproduktion und das Erreichen von Größenvorteilen.

Namhafte Automobilhersteller sind bereits als Partner und Investoren von Factorial gewonnen worden, darunter Mercedes-Benz, Hyundai und Stellantis. Die Zusammenarbeit beinhaltet auch Entwicklungsvereinbarungen. Mercedes-Benz-Technologievorstand Markus Schäfer ist begeistert von den Fortschritten, die Factorial erzielt hat und betont die Notwendigkeit einer schnell skalierbaren Technologie für die Zukunft batteriebetriebener Elektrofahrzeuge.

Selbst der japanische Elektronikkonzern und führende Batteriehersteller Panasonic hat in Factorial investiert. Nordamerikachef Joe Taylor betont die Potenziale einer höheren Energiedichte und geringeren Größe für die Einführung von Elektrofahrzeugen. Doch Factorial ist nicht das einzige Unternehmen, das an Feststoffbatterien forscht. Auch das US-Start-up Quantumscape, in das Volkswagen 100 Millionen Dollar investiert hat, sowie die japanischen Unternehmen Nissan und Toyota arbeiten an eigenen Lösungen.

Die Vorteile von Feststoffbatterien sind auch den Autoherstellern nicht entgangen, jedoch ist fraglich, wie groß ihr zukünftiger Marktanteil sein wird. Die Lithium-Ionen-Technologie hat ebenfalls große Fortschritte gemacht, beispielsweise hat der chinesische Batterieproduzent CATL angekündigt, bis Ende 2023 eine Batterie mit 400 Kilometer Reichweite und einer Ladezeit von zehn Minuten zu produzieren. Genauere technische Details sind jedoch nicht bekannt. Möglicherweise werden in Zukunft beide Technologien zum Einsatz kommen, jede mit ihren eigenen Vorteilen und Anwendungsbereichen.

Founder Huang hofft, dass Factorial eine führende Rolle in der Feststoffbatterie-Industrie einnehmen wird und arbeitet mit Hochdruck an der Weiterentwicklung ihrer Technologie. Als US-Unternehmen profitieren sie von der gestiegenen Nachfrage nach US-Batterieproduktion, um den Anforderungen der US-Regierung gerecht zu werden. Mit der rechten Strategie und dem richtigen Timing ist Factorial Energy somit gut aufgestellt, um in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle in der Automobilbranche einzunehmen.

(eulerpool-AFX)

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