Deutsches KI-Startup Aleph Alpha sichert sich 500 Millionen Dollar Finanzierung

Drei namhafte deutsche Unternehmen beteiligen sich an einer der größten europäischen Finanzierungsrunden für ein KI-Start-up.

Der deutsche KI-Markt erhält einen enormen Schub durch die Beteiligung von Bosch, der Schwarz-Gruppe und SAP an dem Heidelberger KI-Start-up Aleph Alpha. Für das Unternehmen ist dies eine der größten Finanzierungsrunden in Europa und ein bedeutender Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des jungen Unternehmens.

Mit insgesamt 500 Millionen Dollar, umgerechnet 466 Millionen Euro, ist es nun für Aleph Alpha möglich, sich im internationalen Wettbewerb mit milliardenschweren Konkurrenten zu behaupten. Die Basis für diese Technologie ähnelt der des erfolgreichen KI-Entwicklers OpenAI, aber Aleph Alpha hat sich auf Anwendungsfälle in der Industrie spezialisiert.

Bei der Verkündung der Finanzierungsrunde war auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) anwesend und betonte die Bedeutung dieses Engagements aus der privaten Wirtschaft. Durch die Partnerschaft mit den Industriegiganten wird Aleph Alpha in der Lage sein, sich den besten Teams und größten Unternehmen der Welt entgegenzustellen.

Das Hauptaugenmerk von Aleph Alpha liegt auf der Entwicklung großer KI-Sprachmodelle, die direkt in Geschäftsprozesse und -anwendungen integriert werden können. Dadurch wird es Mitarbeitern und Kunden ermöglicht, mit Maschinen und Computerprogrammen auf menschenähnliche Weise zu kommunizieren.

Dieser bahnbrechende technologische Fortschritt hat auch die Aufmerksamkeit der amerikanischen Tech-Konzerne geweckt. Microsoft investiert umgerechnet mehr als zwölf Milliarden Euro in OpenAI, während Amazon und Google jeweils mehrere Milliarden in den Konkurrenten Anthropic stecken. Auch die Unternehmen selbst entwickeln interne Teams für die Erforschung großer KI-Modelle.

Mit nur 60 Mitarbeitern ist Aleph Alpha bisher die größte Hoffnung Europas in diesem Wettbewerb. Die Zusammenarbeit mit den renommierten Industriepartnern zeigt nicht nur das Vertrauen in das Unternehmen, sondern sichert auch deren Unabhängigkeit von amerikanischen oder asiatischen Anbietern.

Für Jonas Andrulis, CEO von Aleph Alpha, geht es jedoch nicht nur um die finanzielle Unterstützung. Er hat Partner gesucht, die bereit sind, schnell von seiner Technologie zu profitieren und eng in die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle einzusteigen. Dazu gehört auch die jüngst gegründete Sparte Schwarz Digits der Schwarz-Gruppe, welche sich um IT und Digitales kümmert.

Die Schwarz-Gruppe wird in Zukunft die KI-Technologie von Aleph Alpha in ihrem IT-Dienstleister, Schwarz Digits, nutzen und in ihre Geschäftsprozesse integrieren. Ziel ist es, die Produktivität durch generative KI-Technologie in den nächsten fünf Jahren um zweistellige Prozentpunkte zu steigern. Dazu haben Neuinvestoren bereits mit der Implementierung der Software begonnen und bei der Schwarz-Gruppe sollen Millionen von Produktbeschreibungen mit der KI generiert werden. Zudem plant die Gruppe, die Technologie auch für die Verbesserung des Kundenservice und die bessere Nutzung von Daten einzusetzen.

Neben der Schwarz-Gruppe hat auch der Industriekonzern Bosch die KI-Technologie von Aleph Alpha in sein Projekt “BoschGPT” integriert. Das System soll Mitarbeitern dabei helfen, interne Daten zu finden, die Maschinensteuerung durch Spracheingabe zu ermöglichen und Programmierern die Dokumentation ihrer Arbeit abzunehmen. Auch für SAP ist KI eine Schlüsseltechnologie und hat Aleph Alpha bereits in die automatisierte Optimierung von Geschäftsprozessen integriert. Die Partnerschaften sind nicht exklusiv, so dass Aleph Alpha auch mit Wettbewerbern seiner Investoren Geschäftsbeziehungen eingehen kann.

Obwohl das Sprachmodell von Aleph Alpha, Luminous, nicht in allen Bereichen so leistungsstark ist wie das von OpenAI entwickelte GPT-Modell, hat das Unternehmen gezeigt, dass es einen wertvollen Beitrag zur Forschung und Entwicklung von KI-Modellen leisten kann. Aleph Alpha war die erste Firma, deren Sprachmodell seine eigenen Aussagen belegen und auf widersprüchliche Aussagen verweisen konnte, was vor allem im Industriekontext wichtig ist, um Fehler bei der Textgenerierung zu vermeiden.

Jonas Andrulis, Mitgründer von Aleph Alpha, hatte viele Interessenten für seine Firma, aber entschied sich letztendlich für ein Konsortium bestehend aus verschiedenen Investoren. Intel hatte bereits Interesse an einer Beteiligung, jedoch kam es zu einer noch attraktiveren Option mit dem jetzigen Investorenkonsortium. Die Finanzierung umfasst drei Komponenten, wobei der größte Anteil von Ipai in Heilbronn kommt, einer teils gemeinnützigen, teils kommerziellen Initiative der Stiftung von Lidl-Gründer Dieter Schwarz, die bis 2027 Europas größtes Forschungszentrum für KI werden soll. Der dreistellige Millionenbetrag, der frei verwendet werden kann, wird voraussichtlich auch in den Standort zurückfließen und eine enge Zusammenarbeit mit Ipai ist geplant.

Die zweite Komponente der Finanzierung ist eine Eigenkapitalbeteiligung, die bei typischen Konditionen das Unternehmen auf eine Bewertung von etwa einer halben Milliarde Euro bringt. Berücksichtigt man jedoch alle Kapitalzusagen und die dritte Komponente des Deals, die Vereinbarungen über gemeinsame Projekte und Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe beinhaltet, könnte die Bewertung bei bis zu drei Milliarden Euro liegen.

Im Vergleich zu Gerüchten um den Konkurrenten von Aleph Alpha, Mistral AI, der angeblich von der US-Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz finanziert werden soll und eine Bewertung von bis zu 2,4 Milliarden Euro erreichen könnte, ist bei Aleph Alpha kein neuer klassischer Wagniskapitalgeber beteiligt. Für Earlybird-Partner Andre Retterath ist dies allerdings kein schlechtes Zeichen, sondern eher ein Indikator für die strategische Ausrichtung des Unternehmens, das nicht nur auf Kapital, sondern auch auf bevorzugten Zugang zu Rechenleistung, renommierten Forschern und schnellem Markteintritt setzt.

Jonas Andrulis betont zudem, dass er auch weiterhin die Forschungsergebnisse offenlegen wird, was für viele Interessenten ein Hindernis war. Für ihn sind echte Partnerschaften wichtiger als lediglich Kapital, da er die Mission von Aleph Alpha, offene und transparente Forschung zu betreiben, fortsetzen möchte.

Mit dieser prominenten Unterstützung ist Aleph Alpha bestens gerüstet, um sich im globalen KI-Wettbewerb zu behaupten und weiterhin innovative Entwicklungen in der Branche voranzutreiben.

(eulerpool-AFX)

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